Holzhausen in alten Tagen | Teil 3

von HOLTHUSON zu HOLZHAUSEN |  Teil 3

 

Werfen wir nun einen Blick auf die Bevölkerungsentwicklung in Holzhausen:

Jahr Einwohner
1512 24
1601 27
1651 41 (ohne Sutthausen)
1772 84 (ohne Sutthausen)
1821 140 (ohne Sutthausen)
1858 461 (inkl. Sutthausen)
1885 544
1905 500
1939 2777
1961 5643

Ausgewandert waren im Zeitraum von 1840 – 1867 38 Personen aus Holzhausen und 16 Personen aus Sutthausen.

Wie bereits erwähnt, erwarb am 26. Juni 1682 Gustav Bernhard von Moltke das Gut Wulften. Dieser ursprüngliche Protestant – sein Vater war Kampfgenosse Gustav Adolfs gewesen – war 1670 zum Katholizismus übergetreten. Bereits 1680 hatte er das Gut Nette in Haste erworben gehabt. Er errichtete von 1684 - 1686 das jetzt noch stehende Schloß. Nach seinem Tode im Jahre 1710 übernahm sein ältester Sohn Johann Friedrich von Moltke das Gut. Infolge von Vermögensschwierigkeiten trat dieser Wulften am 23. Juli 1743 ab an seinen Halbbruder Philipp Ludwig von Moltke, der Österreichischer Generalfeldmarschall war. Zu dieser Zeit lasteten auf Wulften Schulden in der Größenordnung von etwa 46000 Taler. Der neue Eigentümer wachte sorgsam über die alten Rechte der Burg, die insbesondere unter der Ägide derer von Snetlage in Vergessenheit geraten waren. Er wusste ein kaiserliches Privileg zu erlangen und führte besonders wegen der von Wulften beanspruchten hohen Gerichtsbarkeit langwierige Prozesse mit der Landesregierung und mit den Besitzern der beiden Güter Sutthausen. Die Aussagen der umfangreichen Prozessakten sind weitgehend Grundlage der hier gemachten geschichtlichen Darstellungen. Philipp Ludwig von Moltke verstarb am 26. Juli 1780. Seine einzige Tochter und Erbin verkaufte den Besitz für 40000 Taler an Alexander Anton von Stael vom Gut Sutthausen. Dieser war jahrelang Prozessgegner des Philipp Ludwig von Moltke gewesen. Eine eigentümliche Ironie des Schicksals sollte es sein, dass der neue Besitzer mit gleichem Eifer wie er vorher den Ansprüchen des Philipp Ludwig von Moltke entgegen getreten war, nunmehr als Besitzer der Güter Wulften und von Stael die Rechtsauffassung seines langjährigen Prozessgegners verfocht. In der Zeit der französischen Besatzung versandete schließlich der Prozeß. Von den ältesten Zuständen der uralten Burg Wulften wird in dem umfangreichen Werk "Deduktion der Burg Wulften" von Taube – dem Prozessbevollmächtigten vor dem Reichskammergericht in Wien – berichtet. Seit der Übernahme von Wulften durch Alexander von Stael im Jahre 1782 war das Schloß nicht mehr von der Herrschaft bewohnt gewesen. Die weiße Frau ohne Kopf, die in dem Schlosse umgehen sollte, konnte so jahrelang ungestört ihrer Wege wandeln.

Im Jahre 1444 hatte der Knappe Wilhelm von Stael, entstammend einem westfälischen Adelsgeschlecht, etwa die Hälfte des Gutes Sutthausen für 3000 Gulden erwerben können. Zusätzlich erwarb er schon bald die Burg Gretesch, die allerdings bereits 1457 an das Wüllneramt in Osnabrück verkauft wurde. Etwa 330 Jahre später – am 29. Januar 1782 – kaufte Alexander Anton von Stael das seinem Besitz benachbarte Gut Wulften für 40000 Taler, dessen Gerichtsbarkeit er als Gutsherr mit der gleichen Entschiedenheit verteidigte, womit er sie bis dahin bestritten hatte. Er starb am 3. Juli 1807. Erbe seiner Güter Sutthausen und Wulften wurde sein Sohn aus zweiter Ehe Caspar Ludwig August von Stael, der am 13. Dezember 1848 als letzter männlicher Sproß des westfälischen Zweigs seiner Familie starb. Er war von 1806 bis zu seinem Tod 1848 ununterbrochen der erste gewählte Gemeindevorsteher der Gemeinde Holzhausen gewesen. Seine einzige überlebende Tochter Caroline vermählte sich am 31. August 1847 mit Graf Egon von Fürstenberg. Bei ihrem am 18. August 1894 erfolgten Tod beerbte sie ihr Sohn Engelbert, der nach der Vermögenskatastrophe 1917 die mütterlichen Güter verkaufen musste.

Dietrich von Korff war am 17. Oktober 1622 durch Kauf für 6300 Taler Besitzer des von Varendorf`schen Anteils des Gutes Sutthausen geworden. Durch seine Heirat mit Gertrud von Ledebur fiel der aus der Ledenschen Erbschaft herrührende, zwischen Sutthausen und der Stadt Osnabrück belegene kaiserlich-freie Brinkhof in seinen Besitz. Im Jahre 1629 wurde Dietrich von Korff neben dem ebenfalls katholischen Wolfgang von Böselager zu Honeburg vom Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg bei seinen gegenreformatorischen Bestrebungen als Bürgermeister der Stadt eingesetzt. Beim Herannahen der Schweden 1633 ist sein folgender legendärer Ausspruch überliefert: "Loat Susen un Brusen, goah du noa Honeburg, ick goah noa Suthusen!" Während der schwedischen Besatzungszeit von 1633 bis 1647 war Dietrich von Korff Mittelpunkt der katholischen Partei im Fürstbistum Osnabrück. Adolf von Korff gelang es Mitte des 19. Jahrhunderts den Grundbesitz des Gutes um die Forsten der Martinianer Laischaft sowie um das Kolonat Gesmold am Gesmolder Berg wesentlich zu vergrößern. Der Letzte seines Geschlechts war der Freiherr Gottfried von Korff. Er ersetzte 1894 die baufällig gewordene alte Gutskapelle durch den Neubau einer erheblich geräumigeren Kirche. Im Jahr 1917 erwarb er gelegentlich der damals erfolgten Veräußerung des von Stael`schen Gutes Teile des letzteren, eine Maßnahme, durch die er eine äußerst vorteilhafte Arrondierung des Korffschen Grundbesitz` erzielte. Gottfried von Korff starb am 25. Januar 1924. Er hinterließ zwei Töchter. Die älteste von ihnen, Magdalena, wurde Gattin des Freiherrn Egon von Romberg. Die zweite Tochter, Maria Rosario, vermählte sich mit dem Freiherrn Ernst von Gudenus.

Das Staelsche Haus verfiel in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit dem Schicksal des Abbruchs. Das Korffsche Herrenhaus war zunächst ein schlichtes, zweistöckiges Gebäude. Bei dem durch den Freiherrn Gottfried von Korff im Jahre 1902 vorgenommenen Umbau erhielt es ein drittes Stockwerk. Die Größe des Korffschen Gutes betrug im Jahre 1924 290 ha.

Diese letzten Zuckungen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Holzhausen die Bedeutung des Adels im Schwinden begriffen war. Die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung sollte Holzhausen in besonderem Maße erfassen, da mit der Gründung der Georgsmarienhütte im Jahre 1856 viele Arbeit suchende Menschen – insbesondere aus dem benachbarten Hagen – nach hier kamen, um mit der Hüttenbahn eine ideale Möglichkeit zum Erreichen ihres Arbeitsplatzes wahrnehmen zu können.

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte aus verschiedenen Gründen der Verkauf von Grund und Boden der Güter von Stael und von Korff ein, der so manchem Siedlungswilligen unverhofft die Chance zum Erwerb eines Grundstücks bot. Mit Hilfe des damaligen Caritas-Direktors Adolf Cramer, der dafür Sorge trug, dass kein ungezügelter Preiswettbewerb entstand, konnten so die ersten Siedlungen entstehen. Die Ansiedlung von Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Bevölkerung weiter steigen.

1970 war das Jahr der Gebietsreform. Diese führte dazu, dass die über 1000-jährige Zusammengehörigkeit von Holzhausen und Sutthausen getrennt wurde. Während Sutthausen ein Stadtteil Osnabrücks wurde, erfolgte der Anschluß Holzhausens an die damals sich bildende Stadt Georgsmarienhütte. Ab jetzt sollte sich die bisher mehrheitlich zur Schicht der Arbeiter zählende Bevölkerung sich zu einer mehr mittelständisch geprägten Bevölkerung wandeln. Sowohl Sutthausen als auch Holzhausen bieten inzwischen begehrte Wohnplätze vor den Toren der Großstadt Osnabrück, so dass die Einwohnerzahl in beiden Ortsteilen inzwischen auf je mehr als 5000 angeschwollen ist.

Nur noch wenige Spuren geben jetzt Hinweise darauf, dass das einstmalige Leben in HOLTHUSON – HOLTHUSEN – HOLZHAUSEN in sehr, sehr geruhsamen Bahnen verlaufen war.

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